Junge Tauchpioniere als Komparsen

Es ist kurz nach fünf Uhr und ich bin ohne Wecker aufgewacht. So nun den Wecker ausschalten, um den Rest meiner Familie nicht zu wecken. Oh Schreck, ich habe vergessen den Wecker auf Sommerzeit umzustellen. Aber zum Glück ist nichts passiert. Mensch André, das hätte schief gehen können.
Aber was soll es, ab heute beginnt sowieso ein neues Leben für mich. Mädels haltet euch fest, denn ich steige ins Filmgeschäft ein. Nach der Morgentoilette noch einen Blick in den Spiegel und ich bin überzeugt, die Ähnlichkeit, besonders die Haarfarbe, mit George Clooney ist unverkennbar. Ich gehe in den Keller und trage in Gedanken versunken mein Tauchzeug zur Haustür und beschließe, dass ich später solch niedere Tätigkeiten an einen Knecht oder so weiter delegieren werde. An der Haustür wartet bereits wie verabredet Piet auf mich. Sagte ich Piet? Ich meine natürlich das Double von Bruce Willis.
Während der Fahrt nach Finowfurt wird es immer ungemütlicher und eine Orkanwarnung gibt es auch noch für den heutigen Tag. Na toll, das Schneegestöber an diesem Frühlingstag wird immer dichter und wir sollen heute für längere Zeit ins Wasser. Beim Ausladen unserer Ausrüstung, schaut Piet mich besorgt an, da meine Gesichtsfarbe heftig von rot auf weiß und umgekehrt wechselt. Scheibenkleister, das gibt es doch gar nicht. Ich habe tatsächlich mein Jacket im Keller hängen lassen. Oh wie peinlich! Wenige Minuten später fahren wir mit quietschenden Rädern vom Hof und eilen mit Sommerbereifung im dichten Schneegestöber Richtung Berlin. Das muss ausgerechnet mir passieren. Nach dieser Panne sind meine Zukunftsträume als Clooney des Ostens passè.
Nach erneuter Ankunft machen wir uns sogleich tauchfertig und die Außenfilmaufnahmen beginnen zeitgleich. Für einen Augenblick ist sogar die Sonne zu sehen. Buchstäblich die Ruhe vor dem Sturm. Wir sind nun tauchfertig angezogen und sollen uns bis zu unserer Einstellung in Bereitschaft halten. In Bereitschaft halten… Wir stehen komplett angerödelt weit über eine Stunde in Bereitschaft. Eine Tortour! Während die Leute um uns herum frieren, heizen wir uns immer mehr auf. Trinken geht nicht, sonst muss ich mich aus biologischen Gründen wieder aus meinem Trockentauchanzug herausquälen. Endlich sind wir an der Reihe. Der Regisseur erklärt Piet was wir machen sollen und ich bekomme nichts mit, da ich unterdessen mit meinem sich selbstständig machenden Bleigurt kämpfe. Na super! Und das vor dem ganzen Aufnahmeteam. Den Zonen-Clooney kann ich mir nun auch endgültig aus dem Kopf schlagen.
Wir klettern und rutschen mit der schweren Ausrüstung die glitschige Uferböschung herunter und verschaffen uns durch Geäst und Treibgut Zutritt zum Wasser. Apropos Wasser, endlich sind wir im Wasser und man kann es buchstäblich zischen hören. Die gewünschten Polizeitaucherhandlungen sind schnell im Kasten und die Regieassistentin ruft zu uns herunter: „Paauuse, ihr könnt kurz nach oben kommen“. Wir gucken uns mit großen Augen an und beschließen zum Unverständnis der Regieassistentin, dass wir lieber im Wasser „pausieren“. Zum Glück ist die Pause nicht von langer Dauer und der Regisseur beschließt, dass die weitere Szene am Ufer mit einem Gespräch zwischen dem Hauptdarsteller und uns mit anschließendem Bodycheck weitergespielt wird. Na gut, nichts leichter als das. Danach wird alles abgebaut und wir dürfen uns umkleiden. Noch bevor wir uns wieder umgezogen haben, ist alles Filmaufnahme-Equipment wie von Zauberhand verschwunden, so als wäre hier heute nichts gewesen.
Wir dürfen es uns noch beim Catering gut gehen lassen und fahren anschließend nach Hause.
Na ein Glück, dass ich noch nicht voreilig meine Ehe und meinen Arbeitsvertrag gekündigt habe.

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